Des/Information

Wir leben in einer Zeit überbordender Information. Alles scheint gleichzeitig auf uns einzuströmen: Nichtigkeiten über B-Promis, geleakte Dokumente, IS- Bekennervideos, Liveticker. Der Gleichzeitigkeit des Nachrichtenstroms steht die Ungleichheit der Information gegenüber: Wer informiert eigentlich wen aus welchem Grund und mit welchen Mitteln? Wer hat Zugang zu Quellen, wer lässt weg und fügt an, zensiert und inszeniert? All das sind Fragen, die auf Hierarchien abzielen, die von Katzenvideoguckern nach unten und Panama-Paper- Enthüllern nach oben begrenzt werden. Informiertheit hängt von Geld ab, von Bildung vom Zeitbudget, von der Verlässlichkeit des Ursprungs. Je nach Abmischung wird daraus schnell Desinformation. Die ist nicht die andere Seite der Medaille, sondern der siamesische Zwilling, der am selben Organismus hängt. Das Seminar zeigt auf, wo und unter welchen Bedingungen Information entsteht und wie sie im Zuge der Inszenierung zweckorientiert subjektiviert wird. Das Projekt wird vom Lehrbeauftragten Oliver Gehrs begleitet. Er ist Journalist und Herausgeber der Magazine »DUMMY« und »fluter«.

Praktische Umsetzung

Wir gestalten Magazine, die sich dem Thema Des/Information inhaltlich oder formal nähern. Dabei arbeiten wir einzeln oder in kleinen Gruppen, und jeder ist Herausgeber und Gestalter in einer Person. In der Rolle des Herausgebers sehen wir uns die politische und publizistische Seite des Themas an, lernen wie man recherchiert und Material zusammenstellt. Als Gestalter untersuchen wir das grafische Auftreten von Information und Desinformation und beschäftigen uns mit den Möglichkeiten, Desinformation und hidden agendas visuell deutlich zu machen. Welche Elemente vermitteln Glaubwürdigkeit, welche machen misstrauisch und warum? Wir betrachten zeitgenössische und historische Magazingestaltung und sprechen über die sich verändernde Rolle des Magazins in Zeiten von Twitter, Instagram und Snapchat. Den Begriff »Magazin« sehen wir in diesem Zusammenhang als ein weites Feld. Von der mit Nägeln an die nächste Mauer geschlagenen Wandzeitung bis zu virtuellen Magazinen in der Augmented Reality ist alles möglich. Die Magazine werden am Ende des Semesters in kleiner Auflage veröffentlicht und in einem Des/Informationskiosk zum kleinen Rundgang vorgestellt.