Infoklasse

Informationsdesign an der UdK Berlin

14. Dezember 2017

Sonntag

Der Sonntag ist ein stets wiederkehrendes Ereignis mit einer besonderen kulturellen Bedeutung. An diesem Tag haben wir keine Verpflichtungen, stellen keinen Wecker, sind nicht verplant – unsere Zeitwahrnehmung ist am Sonntag anders als in der Arbeitswoche. Unser Fokus wird auf Aktivitäten gelenkt, die normalerweise weniger Beachtung finden – Regeneration, Ablenkung, Familienleben. Jeder behandelt diesen Tag individuell, verbringt ihn auf seine ganz eigene Art und Weise. Wie lässt sich die Authentizität von einem Ereignis, das durch seine individuelle persönliche Bedeutung so facettenreich ist, kommunizieren? Wo finden sich Gemeinsamkeiten zwischen den unterschiedlich gelebten Sonntagen? Und warum wird einem trivialen Ereignis so konsequent in vielen verschiedenen Kulturen schon seit mehr als einem Jahrtausend große Bedeutung beigemessen?

In der Recherchephase kamen verschiedene Designmethoden zum Einsatz. In einer Videoumfrage mit 40 Passanten näherten wir uns zunächst an das vorherrschende Realitätsbild des Sonntags und damit verbundenen Assoziationen an. In der anschließenden »Photosurvey« ließen sich bestimmte Rituale feststellen und wir konnten unser Bild konkretisieren. Die Designmethode des semantischen Differntials ermöglichte uns einen Einblick in Gefühle und Konnotationen des Sonntags. In einem qualitativen Interview mit dem Pressesprecher des Erzbistums Stefan Förner sollte die Kirche ihre Position und Wünsche hinsichtlich des Sonntags darlegen. Außerdem erfuhren wir in einem Gespräch mit dem Leiter der Bundesfachgruppe Einzelhandel, Ulrich Dalibor, mehr über die Einstellung der Vereinten Dienstleistungsgesellschaft (Ver.di).

Zum Semesterende wurden die Ergebnisse in einer Publikation aufbereitet. In Form einer Zeitung wird neben Texten fotografisch der Tagesablauf vieler verschiedener Menschen am Sonntag dokumentiert. Der Leser bekommt die Möglichkeit ein gesamtheitliches Bild vom Sonntag und kann seine Erfahrungen reflektieren.

Delusion

Orte werden geprägt durch soziale, kulturelle, historische, ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Faktoren. Diese werden räumlich und greifbar in Form von Architektur und Infrastruktur. Durch menschliche Bedürfnisse können zweckgerichtete, künstliche Orte entstehen, die ohne Bezug zu ihrem unmittelbaren Umfeld existieren. Mit Europas »größter tropischen Urlaubswelt« Tropical Islands wurden der Regenwald und die Südsee nach Brandenburg geholt und sowohl natürlich als auch künstlich nachgestellt. Pflanzen, Tiere und Bauwerke aus verschiedenen Nationen werden hier unter einer gigantischen Stahlkonstruktion vereint. Je nach Blickwinkel wirkt die nachgeahmte tropische Szenerie authentisch oder künstlich. Dieses Spannungsfeld gilt es zu untersuchen.

In einer breit angelegten Recherche wurde zunächst Material aus Reportagen, Interviews, Statistiken, Besucher-Bewertungen, Fotos, Geschichte und der Unternehmensphilosophie zusammengetragen. Außerdem dokumentierten wir alles, was man an Pflanzen, Tieren und Nachbauten in Tropical Islands finden kann in einem Fotoprotokoll – ein detailliertes fotografisches Nachschlagewerk, das dem Betrachter einen tieferen Einblick in das Tropical Islands ermöglicht. Auf Grundlage des Morphologischen Kastens von Fritz Zwicky experimentierten wir im nächsten Schritt mit der fotografischen Erzeugung von Illusionen mithilfe von fotografischen Stilmitteln wie Unschärfe, Fokus und Ausschnitt.

In der finalen Umsetzung werden in einem Film, Aufnahmen aus dem Tropical Island mit Found Footage von echten Tropenwäldern vermischt um den Grenzbereich zwischen Original und Imitation auszuloten. Durch die Tonebene wird der Bruch schließlich immer deutlicher, die Tropenwelt wandelt sich zu einem überdachten Erlebnisbad voller Lärm und Inszenierung. Zusätzlich zu den einzelnen Untersuchungen zur Authentizität wurde ein Erscheinungsbild entwickelt, das sich aus den grafischen Elementen der »Vorbildnationen« des Tropical Islands zusammensetzt. Zur Präsentation der verschiedenen Fragmente wurden schließlich in eine Installation konzipiert um das Thema für den Betrachter zugänglich und räumlich erlebbar zu machen. Durch die formale Anlehnung an eine Umkleidekabine wird die Grenze zwischen Außenwelt und Tropenlandschaft nachgestellt.

15. August 2017

Zwei

Freundschaft – Jeder kennt diese Form der sozialen Bindung, die sich in gemeinschaftlichem Tun und der Orientierung an bestimmten Standards manifestiert. Zweifelsohne gibt es eine Reihe von Faktoren, die zwei Menschen zu Freunden werden lassen. Doch welche Kriterien gelten für die Freundschaft? Welche Bereiche sind maßgeblich, welche optional? Was macht Freundschaft authentisch?

Zu Beginn des Projektes, erfolgte zunächst eine ausführliche Recherche. Dann wurden zentrale, relevant erscheinende Kernqualitäten echter Freundschaft bestimmt und auf deren Grundlage die Struktur eines Experiments entwickelt. Mit sechs Freundespaaren verschiedener Generationen wurden qualitative Interviews und interaktive Tests durchgeführt um herauszufinden, was das Wahre, das Unmittelbare, das Ursprüngliche in einer Freundschaft ausmacht. Zu Beginn ging es darum, mittels Formularen, Informationen über die einzelnen Personen und ihre Prioritäten einzuholen. Im zweiten Schritt wurde überprüft, wie die Probanden die gemeinsame Freundschaft beurteilen und wahrnehmen. Mittels visueller, auditiver, haptischer und olfaktorischer Tests versuchten wir mehr über die Assoziationen zu Freundschaft zu erfahren und herauszufinden, wie individuell sie erlebt wird. Zum Abschluss des Experiments wurden die Paare gemeinsam mit einem festen Katalog an Fragen interviewt.

 

Nach Beendigung der Testphase wurden die Ergebnisse zunächst archiviert und grafisch aufbereitet. Diverse Visualisierungsmethoden wurden angewendet um Trends und Tendenzen erkennen zu können. Schließlich wurden die Testergebnisse in einem Buch zusammengefasst, das durch die Wahl der Materialien und die typografische Gestaltung als Objekt für die wahre Freundschaft steht.