Katrin Gruber

Vor – richtung

Gebrauchsgegenstände bedingen uns und unsere Tätigkeiten und beeinflussen die Entscheidungen über das Was, Wie und Wozu wir überhaupt etwas tun. Mit dem Werkzeugbegriff ist nicht das bloße Hilfsmittel beschrieben, das nur im Vollzug der Handlung zum Mittel wird, sondern beinhaltet bereits die Definition als technisches Artefakt. Es trägt eine bestimmte Funktion, für die es geschaffen und konzipiert wurde und rückt damit in eine vorbestimmte Existenz als sogenannte Vor–richtung. Gibt es unter diesem Gesichtspunkt den Gebrauch also vor und schreibt damit an den Ergebnissen, die es einerseits ermöglicht, andererseits auch mit? Mit diesem Grundgedanken setze ich als produzierender und rezipierender Gestalter zum Sebstversuch an. Mit welchen ungeeigneten Hilfsmitteln kann ich diesen Prozess aufbrechen und auf Umwegen Erfahrungen über meinen gewohnten und oft auch eingefahrenen Gebrauch machen? Inmitten einer selbstgemachten Notsituation geht es im Grunde nicht mehr um schöpferisches Gestalten, sondern um die Möglichkeiten der Improvisation auf Umwegen und im eng gesetzten Rahmen. Um am Ende wieder die Frage stellen zu können, ob der Einfuss bewährter Werkzeuge und Verfahren nicht schon längst unsere Arbeit und unsere Auge geprägt hat. 

 

 

Saskia Friedrich

Das wahre Bild

Wissenschaftliche Bilder dokumentieren eindrucksvoll das Bedürfnis der Menschheit Zusammenhänge und Abläufe visuell begreifen zu wollen. »Das wahre Bild« beschäftigt sich mit naturwissenschaftlichen Abbildern im Speziellen – zweidimensionale Darstellungen dreidimensionaler Objekte – und deren zentraler Rolle für die Gewinnung und Übermittlung von Wissen. Im Kern behandelt die vorliegende Publikation das Spannungsfeld, das sich aus dem hohen Anspruch an diese Bilder und dem fehlenden Bewusstsein für den Stellenwert der Gestaltung ergibt. Sie stellt bedeutende Darstellungen der Naturwissenschaften vor und verknüpft sie mit ausgewählten Zusatzinformationen in Textform. Dabei liegt der Fokus auf den Gestaltungsmöglichkeiten, denn auch wissenschaftliche Bilder transportieren ästhetische Richtungen und damit auch bewusste Eingriffe in die Bildgestaltung. Eine durchdachte Informationsstruktur erlaubt den intuitiven Wechsel zwischen Bild- und Textelementen und ermöglicht so einen schnellen Einstieg in das Thema. 

 

 

Clemens Jahn

Waste

In seiner Diplomarbeit macht sich Clemens Jahn auf die Suche nach alternativen Möglichkeiten Design zu denken. In einem »Annäherungsversuch an die Wirklichkeit« verschiebt er die Aufmerksamkeit weg vom Projekt hin zum Prozess. Text und Vortrag dienen ihm dabei als Medien um sein Vorhaben zu formulieren: Design prozessimmanent denken. Die Unterscheidung zwischen sogenannter Theorie und Praxis erübrigt sich dabei,  Fragen der »Notwendigkeit« relativieren sich. Fragen der Moral rücken an ihre Stelle vor dem Hintergrund eines weltweiten Wirtschaftskrieges.
In einem nachgeschichtlichen und zugleich nicht-modernen Szenario versucht Clemens Jahn, den Designers als kosmopolitischen Diplomaten zu denken. Dieser ist nicht länger Experte für sogenannte Designfragen, der so tun muss, als wüsste er genau »was notwendig ist«, sondern vielmehr konsultierender Vermittler. Anstatt Situationspotentiale möglichst effizient auszunutzen, versucht der diplomatische Designer, Situationen stets in ihrer Komplexität und Gänze zu erfassen, indem er sämtliche Beteiligten konsultiert – trotz der vermeintlichen Ineffizienz einer solchen Konsultationsarbeit; doch die Intuition sagt ihm, dass es »etwas Wichtigeres« gibt, das einer solchen »idiotischen« Tätigkeit Relevanz verleiht.

 

 

Moritz Greiner-Petter

Precise Ambiguities

Wie wir die Welt begreifen können, hängt stark mit unseren Medien und Werkzeugen zusammen, denn sie organisieren unser Denk- und Gestaltvermögen. Durch sie hindurch entwickeln wir Modelle und Vorstellungsbilder von der Welt, die die Komplexität der Lebenswirklichkeit reduzieren sollen und müssen, um sie überhaupt handhabbar zu machen. Der Wert jedes Denkmodells muss sich dabei an dem Verhältnis messen, von dem, was anschaulich, sichtbar, denkbar wird zu dem, was gleichzeitig aber auch verschwindet und undenkbar bleibt. Die Arbeit befragt unseren Umgang mit Komplexitäten zwischen genau diesen beiden Ansprüchen – dem Hervorbringen von Ordnung, die sinnvolle Aussagen ermöglicht und dem Erhalten von Unordnung, die den Erscheinungen in ihrer Mannigfaltigkeit Raum gibt. Im Projektteil ist eine Sammlung von analogen wie digitalen Denkwerkzeugen entstanden. Die spekulativen Artefakte sollen durch intendierte Unschärfe und produktive Unordnungen vermeintlich wirksame Ordnungsvorstellungen hinterfragen. Durch ihre Gestaltung machen sie ihre eigenen blinden Flecken sichtbar oder evozieren alternative Ordnungen.

www.precise-ambiguities.net

 

 

Tanja Kapahnke

Momentaufnahmen aus einem afrikanischen Dorf

Ein alter Mann mit Narben auf den Wangen, ein Nachtwächter, der mit Löwen kämpft. Die Konfrontation mit anderen Kulturen wirft immer Fragen auf: Wie kommen die Narben auf die Wange? Was hat eine große Rinderherde mit Polygamie und ein Zuckerschock mit Wertschätzung zu tun? Die Bewohner eines kleinen Dorfes irgendwo in der tansanischen Savanne geben in einem Feldforschungsaufenthalt Einblick in ihr Leben. Sie erzählten und hielten mit Hilfe von Einwegkameras Szenen aus ihrem Alltag fest. Diese Fragmente finden sich in der »Kulturprobe« wieder, die es dem Betrachter ermöglichen soll, sich diese andere Erfahrungswelt Stück für Stück selbst zu erschließen.

 

 

Ferdinand Ulrich

Genealogie und Anthologie der Schrift Hunt Roman 

Zwischen 1961 und 1962 entwarf der legendäre Schriftgestalter Hermann Zapf die Hunt Roman exklusiv für das botanische Institut der Carnegie Mellon University in Pittsburgh/PA. Aus intensiver Recherche in zahlreichen Archiven und Sammlungen sowie zwei Forschungsaufenthalten an der Carnegie Mellon University und der Greenwood Press in San Francisco/CA ging die Hunt Roman Genealogy hervor, ein umfassendes Werk über die Vielschichtigkeit dieser Schrift. Im Sinne von Michel Foucaults Verständnis von der Genealogie wird die Suche nach dem einen Ursprung aufgeben und die Geschichte der Hunt Roman nicht als linearer Prozess begriffen. Vielmehr wird ihre verzweigte und labyrinthartige Struktur offenbart. Der zweite Band, die Hunt Roman Anthology ist eine Sammlung von Gedanken, Eindrücken und Erinnerungen zahlreicher international anerkannter Schrift-Experten, die von ihnen für diese Arbeit verfasst wurden.

Wissenschaftliche Betreuung: Prof. Dr. Siegfried Zielinski