Stefanie Rau

Bedingtes Assoziieren

Für das Lesen der Welt müssen die Dinge der
Welt miteinander verknüpft werden, gemäß
ihrer innigen und verborgenen Verbindungen,
Übereinstimmungen und ihrer Analogien.


Theorie und Praxis (Denken und Machen, Kopf und Hand, Betrachten und Tun) sollen in meiner Abschlussarbeit produktiv wirken und sich sinnvoll ergänzen. Kein selbstgestelltes Problem, sondern eine prozessorientierte Herangehensweise prägt mein Vorgehen, dessen wesentlicher Fokus sich auf ein (scheinbar banales) Objekt richtet. Es entwickelte sich das Anliegen durch ein Objekt (hindurch) die Welt zu betrachten, sie zu reflektieren und verstehen zu wollen. Das Objekt soll als (Denk-) Werkzeug fungieren, um neu(artige) Erkenntnisse und Anstöße zu gewinnen. Das Objekt ist die Milch. Durch assoziative Verbindungen entsteht ein narratives Labyrinth, das räumliche und zeitliche Grenzen überwindet und sich aus verschiedenen Richtungen auf das Objekt, den gemeinsamen Nenner, zurückführen lässt. Es wird eine Geschichte erzählt, anhand von zeitgeschichtlichen Ereignissen, Phänomenen, Dingen, etc., die sich in linearer Reihung in einem Buch wiederfinden. Ein Plakat mit einer diagrammatischen Kartografie ermöglicht in einem zweiten Schritt den Überblick über Querverbindungen und durch die Fragmentierung der Geschichte in einem dritten Schritt wird die Geschichte in ihre Einzelteile zerlegt, die eine offene Lesart herstellen.

 

 

Stephanie Brenner

design-master-studies-archive

Ausgangspunkt dieser Masterarbeit ist die Umstellung auf ein zweistufiges Studiensystem mit den Abschlüssen Bachelor und Master und die damit verbundenen Auswirkungen für Studierende. Im Unterschied zu anderen Studiengängen zeichnet sich das gestalterische Masterstudium durch die Zusammenkunft Studierender verschiedener Hochschulen und teils auch verschiedener Disziplinen aus und kann auf bereits erlernten Grundlagen aufbauen. Hinzu kommen die vielen unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunktsetzungen. Dies erfordert die bis jetzt noch nicht vorhandene Möglichkeit einer fachspezifischen Suche nach einem geeigneten Studiengang. design-master-studies-archive ist eine Plattform, die einen Überblick über gestalterische Masterstudiengänge in Deutschland bietet. Es wird aufgezeigt wie unterschiedlich das Masterstudium im gestalterischen Bereich sein kann und ermöglicht Studieninteressierten, sich zu informieren und einen geeigneten Masterstudiengang zu finden. Da viele Masterstudiengänge erst seit wenigen Jahren bestehen oder erst konzipiert werden ist es umso wichtiger die Fakten zum Studium um Erfahrungsberichte von Studierenden zu ergänzen, um einen möglichst ganzheitlichen Eindruck zu vermitteln.


Robert Preusse

Die unentscheidbare Frage

Prinzipiell unentscheidbare Fragen sind für Programme und Systeme als solche nicht verständlich, weil sie zu groß und komplex und weil sie paradox sind. Lösungen und Antworten sind für diese Fragen eigentlich nicht relevant, sie deuten vielmehr in eine Richtung, machen ein Feld von Möglichkeiten auf, welches neue Fragen aufwirft. Weil eine Antwort unerreichbar ist, eröffnen sie einen Prozess in dem Neues entdeckt werden kann. In der Beschäftigung mit solchen Fragen liegt die Möglichkeit, einen nicht vorgegeben Weg zu finden. Jedoch kann eine Beantwortung von prinzipiell unentscheidbaren Fragen Selbstbestimmung ermöglichen.

 

Marius Förster

Geld, Wir und die Welt
Markt, Moral und der Einfluss des neoliberalen Kapitalismus auf der Gesellschaft

Wir leben, denken und handeln nach einer gewissen Moral. Diese ist alles andere als allein gültig, richtig oder als unveränderlich zu bezeichnen. Angesichts der Ereignisse der letzten Jahre, wie der Wirtschafts- und Europakrise, Occupy, der Arabischer Frühling, Fukushima, Green New Deal, NSA-Skandal usw. stellt sich die Frage, was wir unter Moral verstehen und welchen Stellenwert wir ihr einräumen? Es ist absurd, wie viel wir scheinbar wissen und uns trotzdem ganz anders verhalten. Haben wir die Moral in den privaten Raum verbannt und sind ökonomische Fragen über sie erhaben? Welche Folgen hat der Ökonomismus auf poltischer, sozialer und ökologischer Ebene? Wo sind Zusammenhänge zwischen einem »humanistischen« Miteinander und wirtschaftlichen Kalkül zu suchen. Das Buch ist ein Kompendium verschiedener Ideen, Theorien, Meinungen und philosophischer Auseinandersetzungen, die den aktuellen Zustand kritisch hinterfragen und in ihrer Gegenüberstellung neue Zugänge ermöglichen sollen. Neben der Textsammlung enthält das Buch mehrere Bildstrecken. Die Kombination von Pressefotos, künstlerischen Arbeiten, persönlichen Aufnahmen und Found Images setzten diese in einen Kontext, der neue Geschichten erzählt, Zusammenhänge verdeutlicht und Fragen stellt. Wie werden Bilder präsentiert und wahrgenommen? Wie können Bilder einen Dialog eröffnen? Enstanden ist außerdem eine Installation aus 7 Säulen, die die Tugenden neu interpretieren, eine Verknüpfung von Markt u Moral. Es sind Allegorien auf Grundlage der Ideen des Think Tank 30. Der Markt abstrahiert durch Geldscheine und hier durch die Tugend im Wert verändert. Es stellen sich Fragen über die Bedeutung von Geld und Werten, sowie der Möglichkeit von Kritik. Wie kann eine verzerrte Moral sichtbar gemacht werden? Wie kann eine Kritik gestaltet sein, die zum Dialog auffordert? 

 

 

Inga Langkay

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Erinnerungen prägen uns. Ich frage mich nach der Präsenz unserer Vergangenheit in der Gegenwart, durch die Vergangenheit gestaltet wird. Warum wir an Erinnerungen festhalten. Erinnerungen sind eine identitätsbildende Kraft. Mein Projekt ist eine Zusammenstellung von Texten, Bildern und anderer Materialien, die in ihrer Auswahl eine neue Kontextualisierung innerhalb des Themenkomplexes schaffen. Zusammenhänge bilden, die nicht offensichtlich erscheinen. Aus der Vielfalt schöpfen, um mich dem Thema anzunähern und es zugänglich für andere zu machen. Um zu kommunizieren. Denn keinem von uns ist die Erinnerung fremd.
Wie wir Erlebnisse, Erfahrungen aufnehmen und verarbeiten, ob sie in unserem Gedächtnis bleiben – wie sie für immer erinnern oder meinen vergessen zu haben.

 

 

Marlene Bücker

Die Werkbundkiste

Die Werkbundkiste ist ein Lehrmittel aus den 1950er und 1960er Jahren. Diese hölzernen Kisten und Koffer wurden an Schulen verliehen, und sollten den Jugendlichen ein Gefühl für Produktgestaltung, Formgebung und Qualität geben.Mein Projekt geht auf die geschichtlichen Zusammenhänge und Erziehungsansätze der Geschmackserziehung ein und zeigt, wie sich Produktwahrnehmung bis heute entwickelt hat. Der Einfluss von veränderten Lebensgewohnheiten und damit einhergehenden Anforderungen an Produkte wird im Vergleich zur Werkbundkiste betrachtet und gibt dem Projekt einen historischen Rahmen.

 

 

Olivia von Pilgrim

Ein Abenteuer

Roland Barthes' Text »Fragmente einer Sprache der Liebe« ist Grundlage und Ausgangspunkt des Projektes. Barthes' Fragmente sind Momentaufnahmen von Liebesbeziehungen. Der Text  wurde zerlegt und neu sortiert, verdichtet und linear geordnet. Es ergab sich schließlich ein neuer Text, ausschließlich aus Sätzen aus dem Text Barthes bestehend. Er enthält auch weiterhin die dringend benötigten Lücken und Leerstellen, formt aber eine dramaturgisch stimmige Erzählung einer Liebesgeschichte von Anfang bis Ende. Dieser Text bildet die Tonspur einer filmischen Arbeit.
Auf der Suche nach visuellen Entsprechungen zu den textlichen Fragmenten wurden knapp 100 Spielfilme aus den Jahren 1942 bis 2013 gesichtet. Die von Barthes beschriebenen Momente kommen ebenso archetypisch im Film vor. Diese visuellen Figuren wurden extrahiert und der Text/Tonspur entsprechend geordnet. Die einzelnen Szenen funktionieren, von ihrer ursprünglichen filmischen Handlung gelöst, beispielhaft. Durch die serielle Verdichtung entstanden vergleichende, beispielhafte Tableaus. Die filmische Arbeit ist der Vorschlag einer Sammlung eines visuellen Vokabulars für die Erzählung einer Liebesgeschichte.

 

 

Katrin Gruber

Vor – richtung

Gebrauchsgegenstände bedingen uns und unsere Tätigkeiten und beeinflussen die Entscheidungen über das Was, Wie und Wozu wir überhaupt etwas tun. Mit dem Werkzeugbegriff ist nicht das bloße Hilfsmittel beschrieben, das nur im Vollzug der Handlung zum Mittel wird, sondern beinhaltet bereits die Definition als technisches Artefakt. Es trägt eine bestimmte Funktion, für die es geschaffen und konzipiert wurde und rückt damit in eine vorbestimmte Existenz als sogenannte Vor–richtung. Gibt es unter diesem Gesichtspunkt den Gebrauch also vor und schreibt damit an den Ergebnissen, die es einerseits ermöglicht, andererseits auch mit? Mit diesem Grundgedanken setze ich als produzierender und rezipierender Gestalter zum Sebstversuch an. Mit welchen ungeeigneten Hilfsmitteln kann ich diesen Prozess aufbrechen und auf Umwegen Erfahrungen über meinen gewohnten und oft auch eingefahrenen Gebrauch machen? Inmitten einer selbstgemachten Notsituation geht es im Grunde nicht mehr um schöpferisches Gestalten, sondern um die Möglichkeiten der Improvisation auf Umwegen und im eng gesetzten Rahmen. Um am Ende wieder die Frage stellen zu können, ob der Einfuss bewährter Werkzeuge und Verfahren nicht schon längst unsere Arbeit und unsere Auge geprägt hat. 

 

 

Saskia Friedrich

Das wahre Bild

Wissenschaftliche Bilder dokumentieren eindrucksvoll das Bedürfnis der Menschheit Zusammenhänge und Abläufe visuell begreifen zu wollen. »Das wahre Bild« beschäftigt sich mit naturwissenschaftlichen Abbildern im Speziellen – zweidimensionale Darstellungen dreidimensionaler Objekte – und deren zentraler Rolle für die Gewinnung und Übermittlung von Wissen. Im Kern behandelt die vorliegende Publikation das Spannungsfeld, das sich aus dem hohen Anspruch an diese Bilder und dem fehlenden Bewusstsein für den Stellenwert der Gestaltung ergibt. Sie stellt bedeutende Darstellungen der Naturwissenschaften vor und verknüpft sie mit ausgewählten Zusatzinformationen in Textform. Dabei liegt der Fokus auf den Gestaltungsmöglichkeiten, denn auch wissenschaftliche Bilder transportieren ästhetische Richtungen und damit auch bewusste Eingriffe in die Bildgestaltung. Eine durchdachte Informationsstruktur erlaubt den intuitiven Wechsel zwischen Bild- und Textelementen und ermöglicht so einen schnellen Einstieg in das Thema. 

 

 

Clemens Jahn

Waste

In seiner Diplomarbeit macht sich Clemens Jahn auf die Suche nach alternativen Möglichkeiten Design zu denken. In einem »Annäherungsversuch an die Wirklichkeit« verschiebt er die Aufmerksamkeit weg vom Projekt hin zum Prozess. Text und Vortrag dienen ihm dabei als Medien um sein Vorhaben zu formulieren: Design prozessimmanent denken. Die Unterscheidung zwischen sogenannter Theorie und Praxis erübrigt sich dabei,  Fragen der »Notwendigkeit« relativieren sich. Fragen der Moral rücken an ihre Stelle vor dem Hintergrund eines weltweiten Wirtschaftskrieges.
In einem nachgeschichtlichen und zugleich nicht-modernen Szenario versucht Clemens Jahn, den Designers als kosmopolitischen Diplomaten zu denken. Dieser ist nicht länger Experte für sogenannte Designfragen, der so tun muss, als wüsste er genau »was notwendig ist«, sondern vielmehr konsultierender Vermittler. Anstatt Situationspotentiale möglichst effizient auszunutzen, versucht der diplomatische Designer, Situationen stets in ihrer Komplexität und Gänze zu erfassen, indem er sämtliche Beteiligten konsultiert – trotz der vermeintlichen Ineffizienz einer solchen Konsultationsarbeit; doch die Intuition sagt ihm, dass es »etwas Wichtigeres« gibt, das einer solchen »idiotischen« Tätigkeit Relevanz verleiht.

 

 

Moritz Greiner-Petter

Precise Ambiguities

Wie wir die Welt begreifen können, hängt stark mit unseren Medien und Werkzeugen zusammen, denn sie organisieren unser Denk- und Gestaltvermögen. Durch sie hindurch entwickeln wir Modelle und Vorstellungsbilder von der Welt, die die Komplexität der Lebenswirklichkeit reduzieren sollen und müssen, um sie überhaupt handhabbar zu machen. Der Wert jedes Denkmodells muss sich dabei an dem Verhältnis messen, von dem, was anschaulich, sichtbar, denkbar wird zu dem, was gleichzeitig aber auch verschwindet und undenkbar bleibt. Die Arbeit befragt unseren Umgang mit Komplexitäten zwischen genau diesen beiden Ansprüchen – dem Hervorbringen von Ordnung, die sinnvolle Aussagen ermöglicht und dem Erhalten von Unordnung, die den Erscheinungen in ihrer Mannigfaltigkeit Raum gibt. Im Projektteil ist eine Sammlung von analogen wie digitalen Denkwerkzeugen entstanden. Die spekulativen Artefakte sollen durch intendierte Unschärfe und produktive Unordnungen vermeintlich wirksame Ordnungsvorstellungen hinterfragen. Durch ihre Gestaltung machen sie ihre eigenen blinden Flecken sichtbar oder evozieren alternative Ordnungen.

www.precise-ambiguities.net

 

 

Tanja Kapahnke

Momentaufnahmen aus einem afrikanischen Dorf

Ein alter Mann mit Narben auf den Wangen, ein Nachtwächter, der mit Löwen kämpft. Die Konfrontation mit anderen Kulturen wirft immer Fragen auf: Wie kommen die Narben auf die Wange? Was hat eine große Rinderherde mit Polygamie und ein Zuckerschock mit Wertschätzung zu tun? Die Bewohner eines kleinen Dorfes irgendwo in der tansanischen Savanne geben in einem Feldforschungsaufenthalt Einblick in ihr Leben. Sie erzählten und hielten mit Hilfe von Einwegkameras Szenen aus ihrem Alltag fest. Diese Fragmente finden sich in der »Kulturprobe« wieder, die es dem Betrachter ermöglichen soll, sich diese andere Erfahrungswelt Stück für Stück selbst zu erschließen.

 

 

Ferdinand Ulrich

Genealogie und Anthologie der Schrift Hunt Roman 

Zwischen 1961 und 1962 entwarf der legendäre Schriftgestalter Hermann Zapf die Hunt Roman exklusiv für das botanische Institut der Carnegie Mellon University in Pittsburgh/PA. Aus intensiver Recherche in zahlreichen Archiven und Sammlungen sowie zwei Forschungsaufenthalten an der Carnegie Mellon University und der Greenwood Press in San Francisco/CA ging die Hunt Roman Genealogy hervor, ein umfassendes Werk über die Vielschichtigkeit dieser Schrift. Im Sinne von Michel Foucaults Verständnis von der Genealogie wird die Suche nach dem einen Ursprung aufgeben und die Geschichte der Hunt Roman nicht als linearer Prozess begriffen. Vielmehr wird ihre verzweigte und labyrinthartige Struktur offenbart. Der zweite Band, die Hunt Roman Anthology ist eine Sammlung von Gedanken, Eindrücken und Erinnerungen zahlreicher international anerkannter Schrift-Experten, die von ihnen für diese Arbeit verfasst wurden.

Wissenschaftliche Betreuung: Prof. Dr. Siegfried Zielinski