Universität der Künste Berlin

Klasse Prof. Skopec, Visuelle Systeme

Tanja Kapahnke, Ferdinand Ulrich

Zeitreisen


Die Grundlage für alle modernen Erörterungen der Zeitreise ist Einsteins Relativitätstheorie. Diese verleiht Raum und Zeit eine dynamische Qualität, denn sie beschreibt, wie große Massen die geometrische Beschaffenheit der Raumzeit so verändern können, dass der kürzeste Weg eines Objektes nicht mehr entlang der Raum-Zeit-Oberfläche, sondern durch die Raumzeitkrümmung verläuft. In diesem Spezialfall wäre es möglich, dass zwei verschiedene Bereiche der Raumzeit durch ein sogenanntes Wurmloch miteinander verbunden werden können.
Mittlerweile sind sich die Wissenschaftler darüber einig, dass es nicht nur die uns bekannten drei Dimensionen des Raumes, sondern, inklusive der Zeit, zehn oder elf Dimensionen gibt. Unsere dreidimensionale Welt bildet darin eine Hyperfläche, von der einzelne Teilchen – zumindest theoretisch – in eine fünfte Dimension springen und darin durch die Raumzeitkrümmung vorwärts oder rückwärts durch die Zeit reisen können. Der größte Teilchenbeschleuniger der Welt, der Large Hadron Collider im Kernforschungszentrum CERN, wurde nicht zuletzt gebaut, um diese Teilchen nachzuweisen.

Abseits der von »Wenn« und »Aber« dominierenden Thesen der Wissenschaftler vermischen sich Realität und Fiktion. Die zum Zeitreisen gehörenden Paradoxa und Kausalitätsverletzungen regen nicht nur die Phantasie zahlreicher Sience-Fiction-Autoren an, sondern auch die unserer Gesellschaft. Die These »Zeitreisen ist möglich!« veranlasste uns, in Umfragen und persönlichen Interviews, der Motivation für Zeitreisen auf den Grund zu gehen. Kurzfristige und langfristige Reisen in die eigene Vergangenheit verändern den Anspruch an Zeitreisen. Interessant ist, dass der Großteil der Befragten, das Zeitreisen nutzen würden, um besonders schöne Momente noch einmal erleben zu können und nicht, um an einem bestimmten Zeitpunkt die Vergangenheit zu verändern. Weiterführende Interviews zeigten, dass die Angst vor der Veränderung der Vergangenheit und die damit einhergehenden Auswirkungen auf die Gegenwart so stark ist, dass fiktional unternommene Zeitreisen immer in eine Zeit vor der eigenen Geburt führten. Wie man sich auf eine Zeitreise vorbereitet und welche Gegenstände man dorthin mitnimmt, waren für uns genauso spannend, wie die Frage nach dem Zeitreisen selbst. Die entstandenen Zeichnungen der Zeitreisemöglichkeiten schlugen hierbei wiederum den Bogen zur Physik und boten uns die Möglichkeit Fiktion und Realität – auch gestalterisch – gegenüber zu stellen. Entstanden ist ein wissenschaftlich anmutendes Paper, ergänzt durch ein Lexikon rund ums Zeitreisen, welches allerlei wichtige Begrifflichkeiten enthält.